Terrorgefahr und Gefährdungspotential von Drohnen – ein Interview mit Christian Caballero

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Christian Caballero ist ehemaliger Offizier der Bundeswehr. Während seiner Dienstzeit war er als Forward Air Controller für den Einsatz bemannter und unbemannter Plattformen verantwortlich und integrierte diese in komplexe Operationen im In- und Ausland. Als Geschäftsführer der Caballero & Hesselbarth Consulting GmbH kümmert er sich mit seinem Team um eine sichere Integration. Seine Schwerpunktbereiche sind Security & Risk.

UASympEx: Welches Gefahrenpotential haben Drohnen realistisch betrachtet?

Christian Caballero: Das Gerät selbst hat starke Propeller, die am menschlichen Körper mit voller Rotationsgeschwindigkeit durchaus schwere Verletzungen hervorrufen können. Meist angetrieben durch einen Lithium-Polymer-Akku, muss hier auch der richtige Umgang mit diesen Geräten bei allen Nutzern bewusst sein. Diese Akkus können zudem an das Ende ihres Lebenszyklus geraten und nicht mehr richtig funktionieren. Der Akku könnte aufgrund unsachgemäßen Gebrauchs, Beschädigungen aufweisen, die sich z.B. durch leichte Verformungen äußern. Der ungeschulte Nutzer erkennt dies nicht als Problem.

Der Akku kann sich in bestimmten Fällen entzünden, eine starke Rauchentwicklung kann entstehen und der Akku kann explodieren. Das wissen viele Nutzer nicht. Stürzt so eine „Hobby-Drohne“ also ab, kann es durchaus zu Bränden kommen. Ein spontaner Absturz stand auch schon in den Medien und traf fast einen Skifahrer. Bei einem Marathon wurden ein Zuschauer und ein Läufer am Kopf getroffen. Szenarien gibt es viele, jedoch bleibe ich dabei, dass das größte Gefahrenpotential beim Nutzer steckt, der entweder technischen Missbrauch betreibt oder durch Unwissenheit einen Unfall provoziert. Kollisionen im Straßenverkehr mit Kfz oder mit Personen, hätten in beiden Fällen schwere Folgen.

UASympEx: Inwiefern hat dieses Gefährdungspotential Auswirkungen auf unser tägliches Leben ?

Christian Caballero: Auf unser tägliches Leben wirkt sich dieses Gefahrenpotential nur im Einzelfall aus. Auch wenn z.B. DJI weiterhin seine Verkaufszahlen steigert, wird es derzeitig nicht wirklich einen Impact geben. Ich denke im Laufe der Zeit, wenn die Nutzerzahlen weiter steigen und die Geräte noch billiger werden, kann es vermehrt zu Verstößen im Rahmen der Privatsphäre kommen.

Kriminelle haben diese Geräte schon längst für sich entdeckt und setzen diese Geräte auch schon für verschiedenste Verbrechen ein. Zur Einbruchsvorbereitung können Einbrecher nochmal schnell das Grundstück abfliegen, um wirklich sicher zu sein, dass niemand im Haus ist. Als Helfer für den Fluchtweg, bietet ein Auge von oben eine sehr gute Hilfe den sicheren Weg zu finden.

UASympEx: Wie kann der Missbrauch von Drohnen unterbunden/kontrolliert werden ?

Christian Caballero: Eine Kontrolle wird sehr schwer. Geräte können online neu oder gebraucht bezogen werden. Die Forderung nach einer Registrierung müsste behördlich/ gesetzlich angeordnet oder verpflichtend schon beim Verkauf stattfinden. Ich bezweifle, dass eine freiwillige Registrierung funktioniert oder einen Mehrwert bietet. Einzelne Versuche eine freiwillige Registrierung umzusetzen, gibt es auch schon in Deutschland. Diese dienen wohl eher der Datensammlung. Die nächste Frage ist, was diese Daten beinhalten und wie diese gesichert werden.

Es gibt jedoch auch durchaus interessante und innovative Ideen. Im Rahmen eines „Geofencing“ sollen virtuelle Zäune am Himmel und um Objekte gezogen werden. Diese verwehren ein Raus- wie auch ein Reinfliegen in die Lufträume von Grundstücken. Dies muss jedoch auch in jedem Gerät verpflichtend in Form von Software vorhanden sein. Anschließend auch so in einem Netz angebunden sein, dass die Daten immer wieder aktualisiert werden.

Als präventive Maßnahme und um den verantwortungsvollen Umgang einzufordern, machen wir uns für eine qualifizierte Ausbildung stark. Profianwender, die ein Gewerbe betreiben, sollten eine stärkere Ausbildungstiefe erreichen als Hobbypiloten. Die wenigsten Nutzer kennen sich wirklich sicher mit den Luftraumstrukturen aus oder wissen welche individuellen gesetzlichen Auflagen vorherrschen.

UASympEx: Wie hoch ist die Gefahr, dass Drohnen zu terroristischen Zwecken eingesetzt werden ?

Christian Caballero: Der Missbrauch der Geräte zu terroristischen Zwecken kann sehr unterschiedlich sein. Wie hoch die Gefahr ist, muss im Einzelfall betrachtet werden. Die Geräte sind auch zu terroristischen Zwecken nur Werkzeuge, um ggf. Dinge zu transportieren oder Dinge zu filmen. Die größte Angst besteht derzeitig, dass Drohnen Explosivmittel, Säuren oder andere Gefahrenstoffe verbringen könnten. Die Geräte bis 5kg sind durchaus erschwinglich und leicht zu bedienen, kommen jedoch schnell an ihre Kapazitätsgrenze, um große Gewichte zu tragen. Größere Drohnen bis 10kg und mehr, kommen hier schon eher in Frage.

Bekannte terroristische Organisationen, wie z.B. der Islamische Staat nutzen „Drohnen“ schon. Dabei muss das Gerät nicht immer als Träger einer Bombe eingesetzt werden. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht zu viel verraten. In meinem Vortrag werde ich mögliche Anwendungsfälle aufwerfen.

UASympEx: Was würden Sie Firmen raten, die „Drohnen“ als eine mögliche Gefahr für Ihr Unternehmen ansehen?

Christian Caballero:  Wenn Sie keine eigenen Kompetenzen zu diesem Thema mitbringen, würde ich Ihnen raten, sich einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Hierbei ist die mögliche Bedrohung ganz individuell. Unsere Erfahrung bei CHCon hat gezeigt, dass eine Gefährdungsanalyse oder eine klassische Risikobetrachtung durchaus sinnvoll ist. Personelle, organisatorische oder auch technische Maßnahmen sind teilweise einfach zu lösen, teilweise sind sie auch sehr komplex.

Dadurch, dass wir in Deutschland kein wirkliches Lagebild über Verbrechen oder Unfälle mit Drohnen haben, ist es für Unternehmen eben schwer dieses Thema zu erfassen. Eins bleibt jedoch klar, der Zaun von gestern ist heute keine Hürde mehr.

UASympEx: Herr Caballero, vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und eine interessante Diskussion mit Ihnen.


Wir stellen auf diesem Blog regelmäßig die Referenten und Veranstalter der UASympEx vor. Weitere Interviews, die Sie interessieren könnten, folgen in Kürze. Aus dem Letzten Jahr haben wir Ihnen nochmals ein paar interessante Themen aufgelistet.

Das komplette Programm und mehr Infos zu den Referenten finden Sie hier: Programm | Referenten | Tickets.



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