Sicherheit in der unbemannten Luftfahrt – ein Interview mit Michael Dahmen

Foto Michael DahmenMichael Dahmen ist CEO der SPECTAIR GROUP, die mit den drei Unternehmen SPECTAIR, HEIGHT TECH und FLAIRICS professionelle Flugroboter-Dienstleistungen sowie die Herstellung und Entwicklung von unbemannten Flugsystemen unter einem Dach vereint. Michael Dahmen gründete SPECTAIR als eines der ersten deutschen Drohnen-Dienstleistungsunternehmen im Jahr 2012. Ein Jahr später kam die Entwicklungsgesellschaft FLAIRICS hinzu, 2014 erwarb die SPECTAIR GROUP den Drohnenhersteller HEIGHT TECH. Michael Dahmen war vor der Gründung seiner Unternehmen 13 Jahre bei der ERGO Group AG tätig. Er ist außerdem ausgebildeter Flugzeugmechaniker.

UASympEx: In welchen Maß hat Wachstum im letzten Jahr stattgefunden?

Michael Dahmen: Von den Luftfahrtbehörden ist zu hören, dass die Anzahl der Aufstiegsgenehmigungen im Verlauf des vergangenen Jahres deutlich angestiegen ist. Gleichzeitig drängen immer mehr neue Anbieter in den Markt, insbesondere im Bereich der Drohnendienstleistungen. Viele kommen aus dem Hobbybereich und machen sich mit gewerblichen Luftaufnahmen via Multikopter selbstständig. Außerdem gibt es mehr Ausschreibungen, die sich an Drohnendienstleister richten, sowohl aus dem privatwirtschaftlichen Bereich als auch aus dem öffentlichen Sektor. Wir beobachten zudem ein reges Interesse an Kooperationen mit bereits etablierten Unternehmen in der UAS-Branche. Immer mehr Organisationen und Unternehmen treten an uns heran, um Möglichkeiten für Partnerschaften auszuloten.

UASympEx: Wie definieren Sie Sicherheit für die unbemannte Luftfahrt, welche Faktoren spielen für Sie eine besondere Rolle?

Michael Dahmen: Für die Sicherheit in der unbemannten Luftfahrt ist grundlegend, dass sich alle Beteiligten an die gesetzlichen Bestimmungen halten. Da wir uns noch in einem vergleichsweise wenig regulierten Markt bewegen, sehe ich es als Pflicht eines jeden professionellen Branchenteilnehmers an, grundsätzlich hohe Sicherheitsstandards an gewerbliche Drohneneinsätze anzulegen. Dazu gehört eine fundierte Ausbildung der eingesetzten Piloten und Kameraoperatoren, aber auch der Einsatz von redundanten Systemen, die bei technischen Ausfällen für ein Mindestmaß an Sicherheit sorgen. Der Betrieb von Flugsystemen sollte vor allem bei industriellen Einsätzen immer durch zwei Piloten erfolgen. Zu einer professionellen Herangehensweise gehört für mich auch ganz klar eine dezidierte Planung von Flugeinsätzen z.B. durch die Vorbereitung entsprechender Dokumente, die umfassende Information von Behörden, die Einschätzung meteorologischer Bedingungen, das Sammeln von Informationen über den Ort der Befliegung und so weiter. Als Unternehmen in der Branche sollte man sich bereits heute – auch ohne offiziellen Drohnenführerschein – in punkto Sicherheit so aufstellen, dass man optimal auf zukünftige Anforderungen vorbereitet ist.

UASympEx: Was sind die besonderen Problemfelder die Ihnen als Dienstleister und Hersteller immer wieder begegnen?

Michael Dahmen: Neue Drohnentechnologien werden von einem immer größeren Personenkreis genutzt. Aktuell wird die Zahl der Drohnen, die gewerbliche und private Nutzer einsetzen, von der Deutschen Flugsicherung auf 400.000 geschätzt, Tendenz steigend. Leider gibt es entsprechend der steigenden Anzahl an Fluggeräten auch immer wieder Teilnehmer am Luftverkehr, die Regeln nicht einhalten. Diese Nutzer gefährden durch ihr Handeln die Reputation der gesamten Branche. Daher ergibt sich natürlich auch für uns ein Problemfeld – insbesondere dann, wenn nicht zwischen verantwortungslosen Einzeltätern und professionellen Anbietern unterschieden wird. Ein weiteres Problemfeld ist, dass es keine einheitlichen Regelungen für die Branche in Europa gibt. Das macht den gewerblichen Einsatz außerhalb Deutschlands komplizierter und aufwändiger.

UASympEx: Was muss durch jeden Nutzer von Drohnen unternommen werden und was können die Unternehmen und Behörden tun? 

Michael Dahmen: Jeder Nutzer sollte Grundlagenwissen über die Funktionsweise seines Fluggerätes, die rechtlichen Rahmenbedingungen, meteorologische Voraussetzungen für einen sicheren Flug etc. mitbringen. Das gilt natürlich insbesondere für die gewerblichen Nutzer, die sich auf jeden Fall gut ausbilden und im Idealfall zertifizieren lassen sollten – mit Kurzschulungen über einen Tag ist das definitiv nicht möglich. Praktische Übungen im Selbststudium sind ebenfalls unerlässlich, um Routine und Sicherheit zu gewinnen – genau wie beim Bedienen von Fahrzeugen. Kurz gesagt: Drohnenpiloten sollten informiert und trainiert sein. Seitens der Behörden wäre wünschenswert, die Regelungen für die einzelnen Bundesländer anzugleichen und einen einheitlichen Befähigungsnachweis einzuführen, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Unternehmen, die Drohnendienstleistungen nutzen, sollten sich bewusst sein, dass es sinnvoll ist, mit professionellen Anbietern zusammenzuarbeiten, die gut ausgebildete, zertifizierte und qualifizierte Piloten beschäftigen. Bei der Auswahl eines Drohnendienstleisters oder -herstellers lohnt es sich daher, genauer hinzuschauen und das Thema Compliance zu berücksichtigen.

UASympEx: Herr Dahmen, vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und eine interessante Diskussion mit Ihnen.


Wir stellen auf diesem Blog regelmäßig die Referenten und Veranstalter der UASympEx vor. Weitere Interviews, die Sie interessieren könnten, folgen in Kürze. Aus dem Letzten Jahr haben wir Ihnen nochmals ein paar interessante Themen aufgelistet.

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