Präzise Vermessung mit unbemannten Luftfahrtsystemen – Interview mit Prof. Kersten

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Professor Dipl.-Ing. Thomas Kersten studierte Vermessungswesen an der Universität Hannover. Danach wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Institut für Geodäsie und Photogrammetrie an der ETH Zürich. Er arbeitete in verschiedenen Positionen bei der Swissair Photo und Vermessungen AG in Regensdorf-Watt in der Schweiz. Mit einer Professur an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg für Photogrammetrie & Fernerkundung sowie seiner jetzigen Professur in Photogrammetrie & Laserscanning an der HafenCity Universität Hamburg konnte er umfangreiches Wissen im Bereich Photogrammetrie und Fernerkundung aufbauen. Wir konnten Professor Ersten bereits vor der UASympEx ein paar Fragen stellen.

UASympEx: Sie sind erfahrener Experte in Photogrammetrie und Fernerkundung. Sie gehen mit Drohnen schon eine lange Zeit um. Was sind die tatsächlichen Grenzen der Geräte?

Prof. Thomas P. Kersten: In unserem Fachgebiet Vermessung nennen wir die Fluggeräte Unmanned Aerial Vehicles oder Unmanned Aerial Systems (UAV/UAS), um den eher negativ behafteten Begriff Drohnen wegen der militärischen Einsätze zu vermeiden. Für die mobile Vermessung stellen diese Fluggeräte das Stativ für die entsprechende Aufnahme- und Navigations-Sensorik dar. Die Grenzen dieser UAVs liegen momentan in der begrenzten Traglast (bis max. 10 kg), in der limitierten Reichweite und in der oft kurzen Flugzeit, was aus sicherheitsrelevanten Aspekten aber akzeptabel ist. Problematisch ist dagegen oft die fehlende Redundanz der elektronischen Komponenten, einschließlich Navigationssystemen, die bei Störungen, Problemen oder Ausfall ggf. zu unkontrollierten Abstürzen führen kann.

UASympEx: Ihr Titel sagt es bereits – es gibt Grenzen der luftgestützten Bildaufnahmen durch Drohnen. Können Sie uns einen Überblick über diese Grenzen geben?

Prof. Thomas P. Kersten: Bei der luftgestützten Bildaufnahme mit UAVs kann man nicht von Grenzen sprechen, da diese Flugsysteme die Brücke von Satelliten- und flugzeuggestützten Aufnahmen zu den terrestrischen Aufnahmen spannen und somit eine Lücke in der niedrigen Flughöhe (bis 100 m) schließen. Durch die eingeschränkte Traglast werden oft leichte Konsumerkameras eingesetzt, die die Qualität von digitalen Spiegelreflexkameras oder von stabilen metrischen Kameras nicht erreichen. Allerdings kann man mit den kostengünstigen Konsumerkameras auch Ergebnisse in einem entsprechenden Genauigkeits- bzw. Qualitätsniveau generieren, das für viele Anwendungen ausreichend ist. Wichtig ist jedoch bei jeder Anwendung, dass bei eine bildbasierten Auswertung die Kamera entsprechend kalibriert wird, so dass sie als metrischer Sensor eingesetzt werden kann.

UASympEx: Widersprüchlichkeiten und rechtliche Unklarheiten gibt es derzeit noch. Gibt es ihrer Meinung nach eine Rangfolge an verbesserungswürdigen Maßgaben zur Drohnennutzung in Bezug auf Bildaufnahmen?

Prof. Thomas P. Kersten: Ich bin kein Jurist, aber es gibt klare rechtliche Regelungen für die Nutzung von UAVs bzw. Drohnen. Diese sind allerdings in jedem Bundesland und im europäischen Ausland teilweise unterschiedlich. Es sollten beim Einsatz von unbemannten Flugsystemen immer deren Flugsicherheit und die Achtung der Privatsphäre im Vordergrund stehen.

UASympEx: Welche Unklarheiten müssen vordergründig einheitlich geregelt werden, um die Nutzung sicher zu machen?

Prof. Thomas P. Kersten: Bundesweit und europäisch einheitliche gesetzliche Regelungen für die Nutzung von UAVs bzw. Drohnen, die über eine längere Zeit aktuell bleiben, wären neben einer vereinfachten bzw. transparenten Flugerlaubnis für nachweislich geübte Piloten („Führerschein“) sicherlich eine verbesserungswürdige Maßnahme.

UASympEx: Wenn Grenzen überschritten werden, geschieht das mutwillig oder aus reiner Unwissenheit?

Prof. Thomas P. Kersten: Ich kann leider nicht beurteilen, ob die Überschreitung von Grenzen mutwillig oder aus reiner Unwissenheit beim Einsatz von Drohnen geschieht. Das muss man höchstwahrscheinlich von Fall zu Fall beurteilen, denn es hängt natürlich in erster Linie von den Anwendern, die solche Fluggeräte steuern ab, aber auch von der technischen Ausrüstung der Flugsysteme (Redundanz der elektronischen Komponenten) und ggf. von der lokalen Wettersituation (Wind und Sichtweite).

UASympEx: Herr Professor Kersten, vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und eine interessante Diskussion mit Ihnen.


Wir stellen auf diesem Blog regelmäßig die Referenten und Veranstalter der UASympEx vor. Weitere Interviews, die Sie interessieren könnten, folgen in Kürze. Aus dem Letzten Jahr haben wir Ihnen nochmals ein paar interessante Themen aufgelistet.

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