Gefahren und Missbrauchspotentiale unbemannter Systeme – ein Interview mit Prof. Dr. Del Re

Fischer_webProf. Dr. Andreas T. Del Re ist Leiter des Forschungsinstitutes für unbemannte Systeme der NBS. Er wird auf der UASympEx 2016 über Gefahren und Missbrauchspotentiale unbemannter Systeme und den abzuleitenden Reglungsbedarf sprechen. Neben der Leitung des Instituts betreut Prof. Dr. Andreas T. Del Re die Schwerpunktbereiche Wirtschaftlichkeit und Sicherheit von unbemannten Systemen.

UASympEx: Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen Sie Missbrauchspotentiale aufzeigen. Welche Arten von Missbrauchspotentialen haben Sie bisher identifizieren können?

Andreas Del Re: Es gibt eine ganze Reihe von Missbrauchspotentialen, welche auch miteinander kombinierbar sind. Es empfiehlt sich deshalb typische Szenarien zu identifizieren und zu evaluieren. Im Bereich des Missbrauchs könnten diese folgende sein:

·       Verletzung der Privatsphäre

·       Schmuggel

·       Angriff gegen eine Person

·       Angriff einer kritischen Infrastruktur

·       Terroristischer Angriff

·       Spionage

·       Störung oder gezielte Ablenkung

·       Behinderung von Rettungskräften

UASympEx: Wie wird Missbrauch heutzutage erkannt/bemerkt? 

Andreas Del Re: Vielfach werden missbräuchliche Aktivitäten derzeit nicht erkannt, da die Technik hinsichtlich Detektion noch in den Kinderschuhen steckt und alles andere als flächendeckend im Einsatz ist. Wenn etwas erkannt wird, dann durch Personen, welche die Drohne bemerken (gerade im Bereich Verletzung der Privatsphäre) oder wenn die Drohne abstürzt (Bereich Schmuggel in JVA´s) und anschließend gefunden wird.

UASympEx: Was wurde schon alles gegen möglichen Missbrauch unternommen und welche wirtschaftlichen Nachteile können durch Missbrauch entstehen?

Andreas Del Re: Bisher noch nicht viel. Sowohl international als auch national befinden sich die Entwicklungen noch in den Kinderschuhen. Zu erkennen ist dies auch an den vielfältigen Ausschreibungen von Behörden zu diesem Themenkomplex. Auf dem Markt gibt es erste Detektions- und Abwehrsysteme wie beispielsweise ARDRONIS von Rohde und Schwarz. Solche Systeme befinden sich jedoch noch nicht im breiten Einsatz.

Auf Ebene des Gesetzgebers werden auch diverse Aktivitäten entfaltet. So wurden beispielsweise das IuS, TaylorWessing und CHCon damit beauftragt die Gefährdungs- und Missbrauchspotentiale von unbemannten Systemen zu identifizieren und zu analysieren sowie sich daraus ableitende Regelungsbedarf darzulegen. Auch arbeitet das BMVI gegenwärtig an einem Entwurf für eine neue LuftVO, welche die Problematik adressieren soll. Ob dadurch wirtschaftliche Nachteile resultieren bleibt abzuwarten. Möglicherweise gelingt es dem Gesetzgeber Gefahren- und Missbrauchspotentiale wirksam zu begrenzen und gleichzeitig das Einsatzspektrum gewerblicher Drohnen zu erweitern. In diesem Falle könnten gar wirtschaftliche Vorteile resultieren.

UASympEx: Wie können alle Beteiligten, besonders Behörden und Hersteller von Drohnen, die Zweckentfremdung von unbemannten Flugobjekten verhindern?  

Andreas Del Re: Dies ist sicherlich nicht durch eine Maßnahme zu erreichen. Am Ende sind es mehrere Maßnahmen, welche ineinandergreifen. So muss beispielsweise daran gearbeitet werden, dass insbesondere Hobbypiloten überhaupt die bestehenden Regelungen kennen. Hier böte sich die Einführung eines Führerscheins an. Auch würde eine Kennzeichnung- und Registrierungspflicht für alle Drohnen vermutlich zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit unbemannten Flugobjekten – gerade im Hobbybereich – führen. Auch die verpflichtende Einführung von Geofencing könnte in diesem Zuge ein wirksames Mittel sein um Missbrauchspotentiale zu begrenzen.

UASympEx: Welches der auftretenden Probleme muss besonders schnell beseitigt werden, und wieso?

Andreas Del Re: In einem ersten Schritt sollte sichergestellt werden, dass alle Piloten einen grundlegenden Kenntnisstand über geltende Reglungen nachweisen können (Führerschein). Hierdurch könnten sicherlich viele Gefahrensituationen (z.B. Beinahekollision mit einem Flugzeug oder Behinderung von Rettungskräften) vermieden werden. Des Weiteren erscheint die Einführung einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sinnvoll, da nur so die Rückverfolgung eines Piloten möglich wird. Um die Privatsphäre von Personen zu schützen, könnten ein explizites Flugverbot in bebauten Gebieten erlassen werden. Der etwas smartere Ansatz wäre die Einführung eines verpflichtenden Geofencing. In diesem Falle könnten Grundstückseigentümer – ähnlich wie bei Google Street View – den Überflug über ihre Grundstücke vermieten. Dies ist jedoch eher ein langfristiges als kurzfristiges Thema.

UASympEx: Herr Prof. Dr. Del Re, vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und eine interessante Diskussion mit Ihnen.


Wir stellen auf diesem Blog regelmäßig die Referenten und Veranstalter der UASympEx vor. Weitere Interviews, die Sie interessieren könnten, folgen in Kürze. Aus dem Letzten Jahr haben wir Ihnen nochmals ein paar interessante Themen aufgelistet.

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