Technologien zur Detektion und Abwehr – ein Interview mit Dr. Ingo Seebach

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Dr. Ingo Seebach – Geschäftsführer der Dedrone GmbH – ist gefragter Spezialist zur Umsetzung von Drohnendetektion und Abwehr. Im September 2013 stürzte eine kleine Spielzeugdrohne während einer Wahlveranstaltung direkt vor Angela Merkel auf die Bühne. Dies gab den Startschuss zu seinem Unternehmen Dedrone. Im Januar 2015 brachte er den DroneTracker als erste Multi-Sensor-Plattform zur Detektion ziviler Drohnen auf den Markt. Inzwischen verfügt Dedrone weltweit über rund 200 Vertriebspartner, und der DroneTracker wird von Stadien, Gefängnissen, Industrieunternehmen und ViPs zum Schutz vor zivilen Drohnen eingesetzt. Im Januar wurde der Dedrone-Hauptsitz von Kassel nach San Francisco verlegt, Entwicklung und Produktion befinden sich nach wie vor in Deutschland. Das Unternehmen hat derzeit 40 Mitarbeiter.

UASympEx: Auf welchem Stand ist die Technologie heute im Gegensatz zum letzten Jahr ?
Dr. Seebach: Wir sind heute in der Lage, Drohnen auch anhand ihrer Funkfrequenzen zu erkennen und teilweise sogar zu identifizieren. D.h., bei einigen Drohnen können wir genau sagen, um welches Modell und teilweise sogar, um welches Gerät es sich handelt. Außerdem wurden die Reichweite und gleichzeitig die Zuverlässigkeit der Detektion erhöht. Wir haben den DroneTracker zu einer Plattform weiterentwickelt, in die externe Sensoren integriert werden können, beispielsweise zusätzliche Überwachungskameras oder Radargeräte. Hier arbeiten wir mit Airbus zusammen. Deren Radar können wir mit unserem System verbinden und so eine zusätzliche Detektionsebene mit mehreren Kilometern Reichweite integrieren. Auch die automatische Verknüpfung mit Abwehrmechanismen ist ein wichtiger Schritt gewesen: Störsender, Rollläden oder Nebelbomben können bei einem Drohnenalarm automatisch ausgelöst werden.

UASympEx: Wie läuft so eine Detektion ab ?
Dr. Seebach: Die auf dem zu schützenden Gelände installierten Sensoren beobachten Tag und Nacht den Himmel. Sobald sich eine Drohne nähert, schlägt der DroneTracker Alarm, das heißt, die Sicherheitskräfte hören einen Warnton, sehen ein rotes Popup auf ihrem Rechner, bekommen eine E-Mail oder SMS, oder eine Nachricht aus ihrem Sicherheitssystem. Je nach Situation werden die für diesen Fall vorgesehenen Maßnahmen eingeleitet, die vom automatischen Herunterlassen von Rollläden bis zum Stören bzw. Jammen der Drohne reichen können.

UASympEx: Wozu sind die Systeme heutzutage in der Lage – was ist realistisch ?
Dr. Seebach: Wir sind in der Lage, Drohnen zuverlässig zu erkennen zu orten und Abwehrmaßnahmen einzuleiten, zum Beispiel die Funk- oder GPS-Verbindungen der Drohne zu stören, sodass sie die Orientierung verliert, oder die Drohne mit Lasern oder Elektromagnetischen Pulsen zum Absturz zu bringen. Diese Technologie kommt aus dem militärischen Bereich, hat aber auch Nachteile: Erstens sind die Geräte groß, teuer, und genehmigungspflichtig. Zum anderen bergen unkontrolliert abstürzende Drohnen natürlich ein Risiko. Was wir bisher noch nicht können, ist Drohnen zuverlässig zu hacken, die Kontrolle zu übernehmen und sie an einem sicheren Ort zu landen.

UASympEx:Wie sieht der Entwicklungsprozess von der Detektion- und Abwehrtechnologie aus ?
Dr. Seebach: Der Prozess ist komplex und lässt sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen. Grundsätzlich ist es so, dass sich die Entwicklung von Detektions- und Abwehrmaßnahmen natürlich an den Entwicklungen in der Drohnenindustrie und den daraus abzuleitenden Gefahrenszenarien orientiert. Denn mit der fortschreitenden Entwicklung und wachsenden Leistungsfähigkeit von Drohnen gibt es immer mehr Anwendungsmöglichkeiten – im Guten wie im Schlechten. Wir sprechen außerdem regelmäßig mit unseren Kunden und Interessenten um zu verstehen, wo sie für Drohnen in ihrer Organisation die Hauptangriffspunkte sehen, und worauf es für sie bei der Anschaffung eines wirksamen Drohnenschutzsystems ankommt. Daraus leiten wir ab, was unsere Technologie leisten muss.

UASympEx: Herr Dr. Seebach, vielen Dank für dieses Interview. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und eine interessante Diskussion mit Ihnen.


Wir stellen auf diesem Blog regelmäßig die Referenten und Veranstalter der UASympEx vor. Weitere Interviews, die Sie interessieren könnten, folgen in Kürze. Aus dem Letzten Jahr haben wir Ihnen nochmals ein paar interessante Themen aufgelistet.

Das komplette Programm und mehr Infos zu den Referenten finden Sie hier: Programm | Referenten | Tickets.



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